MSM SCHMIDT & Team America – Utopia

MSM SCHMIDT & Team America – Utopia

der kreative pool des fusion jazz  [FStuff Tipp von Uwe Reith]

Das Fusion-Herz mag in Kalifornien schlagen. Doch damit es schlagen kann, braucht es Impulse. Und die kommen seit mittlerweile 15 Jahren aus Bremen. Dort, an der Weser, ist MSM Schmidt zuhause. Der Mitfünfziger, der mit bürgerlichen Namen Michael Schmidt heißt, lebt zwei Leben. Als Sachbearbeiter einer Versicherung und als passionierter Musiker, dessen Kompositionen in der amerikanischen Jazzrock-Szene regelmäßig für Furore sorgen. „Utopia“ heißt sein fünftes Album. Ein überaus passender Titel. Weil Schmidt bekennender Science-Fiction-Fan ist, vor allem aber, weil es seine Gefühle zu seinem musikalischen Projekt perfekt beschreibt. „Ich lebe in einer wahr gewordenen Utopie“, erklärt MSM Schmidt, „Ich genieße es, Kompositionen für besondere Musiker zu schreiben und mit ihnen gemeinsam Musik zu machen“.
Der Bremer ist ein ruhiger Zeitgenosse, dazu neigend, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Das macht ihn sympathisch. Aber: wenn es um seine Leidenschaft – den Jazzrock – geht, dann packt er auch an. Mehr als zwei Dutzend Jazzrock-Legenden konnte er für die Produktion von „Utopia“ gewinnen. Eine virtuelle Allstar-Band, die quantitativ wie qualitativ das Allermeiste in den Schatten stellt, wenn es darum geht, wie viel geballte Power und Energie auf ein Album passt. US-Größen wie Bassist Jimmy Haslip (u.a. Yellowjackets, Allan Holdsworth ), Keyboarder Mitchel Forman („Metro“) und Drummer Vinnie Colaiuta (u.a. Frank Zappa & Sting) haben zu ihren Instrumenten gegriffen, aber auch klangvolle Namen aus Deutschland – wie Trompeter Till Brönner und Schlagzeuger Wolfgang Haffner.
Nach 15 Jahren und fünf Alben haben sich die Arbeitsabläufe zwischen Schmidt und seinen Musikern mittlerweile eingespielt. Am Anfang stehen Demo-Versionen, die Schmidt am heimischen Keyboard und mit Hilfe eines Computer-Programms entwirft. Die Demos bekommen seine beiden Co-Produzenten Jimmy Haslip und Mitchel Forman. Die beiden Fusion-Veteranen feilen hier und da noch etwas an den Arrangements, hauptsächlich aber sorgen sie dafür, dass jedes Stück am Ende so klingt wie Schmidt es sich wünscht. Die Wahl der richtigen Musiker ist da natürlich das A und O. Zu den neuen Namen auf diesem Album gehören unter anderem der Geiger Charlie Bisharat und der aus Israel stammende Gitarrist Oz Noy, die Schmidts Kompositionen mit ihren geheimnisvoll-exotisch anmutenden Klängen veredeln. „Bis ein Album komplett fertig ist, vergehen im Schnitt drei Jahre“, verrät Schmidt. „Ich bin – insbesondere was den Klang angeht – sehr perfektionistisch und eigentlich nie so richtig zufrieden, weil es immer wieder Sounds gibt, die optimierungsbedürftig sind“.


Dass sich der lange Atem lohnt, beweisen Stücke wie „Si Kitu“ – Schmidts Hommage an die „Mutter der Entropie“ aus den Perry Rhodan-Romanen. Eine beeindruckende, dreigeteilte Suite mit einer jazzigen Einführung, einem äußerst groovig geratenen Mittelteil und einem Rock-lastigen Finale, das dem Stück noch einmal Schub und Power verleiht. „Eine Komposition mit meinen beiden Lieblingszutaten“, erklärt Schmidt, „einem langsamen Spannungsaufbau und einem musikalischen Thema, das mehrfach variiert wird.“ Mit seinen oft acht bis zehn Minuten langen Kompositionen bringt der Bremer sogar die Fusion-Cracks der Westcoast –Szene bisweilen an ihre Grenzen. „Die Rückmeldung, dass das ganz schön kompliziertes Zeug ist, das sie spielen sollen, kommt häufiger“, schmunzelt Schmidt. „Aber wenn sie dann das zusammen gesetzte Ganze hören, sind sie alle begeistert“.
So wie Basslegende Jimmy Haslip, der in den Liner-Notes von den „visionären, farbenfrohen und spannungsreichen Kompositionen“ made by Schmidt schwärmt. Es erfülle ihn „mit Stolz und Demut, Teil eines solchen musikalischen Projekts der Superlative“ gewesen zu sein. Ganz in seinem Element dürfte sich auch Drummer Virgil Donati gefühlt haben. In „LV-223 (Virtual Donati)“ demonstriert der Australier eindrucksvoll, warum er als Meister der Metren gilt. Er erweiterte die Komposition spontan um ein schier irrwitziges Solo, in dem er traumwandlerisch sicher von einem vertrackten Rhythmus zum nächsten wechselt.
Mit „Utopia“ stoßen MSM Schmidt und sein musikalisches Dream-Team in eine neue Dimension des Jazzrocks vor.

[MSMSchmidt]