Edo Zanki – Live [Review] | Die Bewegungen sind lächerlich, aber das Gefühl ist maximal

Review – Wiederveröffentlichung

Edo Zanki – Live

„Die Bewegungen sind lächerlich, aber das Gefühl ist maximal“, so der Titel des neuen Livealbums von Edo Zanki.

Im frostigen Dezember 2008 hatte ich Edo Zanki zum ersten Mal bei der Sendung „SWR1 Kopfhörer“ getroffen. Knappe 10 Monate später versetzt mir Zankis unbändige Spiellust abermals einen Adrenalinkick. „Eine lange Zeit war ich bei wundervollen
Musikprojekten immer nur administrativ und planend tätig. Ich hatte dann aber
unbändige Lust, wieder selbst zu musizieren“, so erklärt er seine Rückkehr auf die Bühne.
Viele Jahre widmete er sich als Produzent den Werken von Xavier Naidoo, Sasha, Thomas D. oder den Söhnen Mannheims. Jetzt darf man ihn wieder live genießen.

Von wegen Uptempo als Eröffnung, seine Band groovt sich unangestrengt in den ersten Song, „Dein roter Mund“ hat ein Arrangementupdate erfahren. Edo Zanki kümmert sich ausschließlich um seinen Gesang und zieht locker (in der Hüfte) sein Publikum auf seine Seite. „Ich wollte einfach wieder mit meinem Publikum auf allen Ebenen kommunizieren. Seit ich selbst denke, es gäbe keinen schöneren Ort als die Bühne, seit ich singe und rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist, sind die Konzerte fröhlicher und auch tiefgründiger geworden.“ Tiefgründig war er schon immer. Sowohl textlich als auch musikalisch war er immer ganz vorne mit dabei. Den Zugang zur breiten Masse hat er – vielleicht auch glücklicherweise – knapp verpasst. Die, die ihm auch in seine Konzerte gefolgt sind bezeichnet er als „Geschmackvoll, vorsichtig, aber dann sehr begeisterungsfähig. Es gab sehr schöne Momente – vor, während und nach den Auftritten – die verrat ich abernicht. Teile davon habt Ihr ja auf dem Album. Nur soviel: Dass ich nochmals solches Herzflattern haben würde, wie beim ersten Konzert nach sechs Jahren Pause, hätte ich in meinem Alter nicht mehr für möglich gehalten.“

Maze Leber an den Keyboards, Jörg Dudys an der Gitarre, Willy Wagner am Bass und Mario Garuccio an den Drums; Zankis neue Band spielt druckvoll und dynamisch. „Diese wunderbar begabten Menschen hab ich davor alle schon mal im Studio gehabt, oder sie bei anderen Acts von der Bühne gestohlen. Die Mischung macht’s.“ Der Soul schwitzt aus jeder Note. Punktgenau trifft der Funk in „Dass du mir gehörst“. Zanki fordert seine Fans heraus, wenn sie den zugegebenermaßen etwas komplexen Refrain nachsingen sollen.
„Wir zünden die Nacht an“ rockt, Sehnsüchtige Melancholie in „Heimkommen“ und das Publikum badet bei seinem 80er Jahre Song „Ich frag mich“ in Gänsehaut. Das Konzert endet mit den messerscharfen Bläsersätzen von „Gib mir Musik“. „Dieses Live-Album ist ein Zeitdokument, Stand 2009, höchste Zeit, so was mal zugänglich zu machen“, so Zanki. Außer einem „Danke“ ist dem nichts hinzuzufügen.

Jedoch… der augenzwinkernde Plattentitel "Die Bewegungen sind lächerlich, aber das Gefühl ist maximal", fordert geradezu nach einer zweiten Zeile: "Die Bewegungen sind lächerlich, doch es funkt phänomenal".